Glas- und Spiegelmanufakturen – Sammleraktien erstehen

Nur rund 4 % der Deutschen investieren ihr Geld in Wertpapiere wie Aktien, Fonds oder Zertifikate. Doch dabei ist es vor allem der Kauf von Aktien, der zu den Geldanlagen zählt, mit denen die höchsten Rendite erzielt werden können. Allerdings gibt es nicht nur die Anleger, die aktuell über den CMC Markets an der aktuellen Börse „mitmischen“, sondern es gibt auch diejenigen, die Aktien kaufen, die schon lange nicht mehr gehandelt werden – die sogenannten Sammleraktien.

Für prominente Wertpapiere werden Rekordpreise gezahlt

Die meisten dieser Aktien, die einst an der Börse gehandelt wurden und nun zu den Sammleraktien zählen stammen aus dem 19. Jahrhundert oder sie wurden sogar noch früher ausgegeben. Zu diesen Aktien zählt beispielsweise die Aktie der Julius Berger Tiefbau AG – heute Bilfinger Berger – aus dem Jahr 1910. Von dieser Aktie ist nur eine einzige bekannt und diese wird mit 1300 Euro taxiert. Eine Robert-Bosch-Anleihe von 1922 ist ebenfalls eine Seltenheit, und ihr Marktwert liegt bei 1200 Euro – aber dabei handelt es sich um Ausnahmen.

Es gilt gewöhnlich: Je älter eine Aktie ist, desto seltener und desto wertvoller ist sie. Viele der Papiere wurden über die Jahrhunderte durch Kriege, Brände und – ganz profan – feuchte Keller vernichtet. Aber nicht nur die Rarität steigert den Wert, sondern auch bekannte Firmennamen. Zudem kommt noch eine gewisse geschichtliche Bedeutung, dekorative Elemente auf den Papieren, die Unterschriften prominenter Persönlichkeiten und ein guter Zustand.

Die Aktie der Glas- und Spiegelmanufactur AG (Gelsenkirchen-Schalke)

Bereits 1873 wurde die Gesellschaft von Friedrich Grillo aus Essen, Jakob Loeb Eltzbacher, Bankier aus Köln, Julius Joest aus Köln und Theodor Movius, Bankdirekter aus Köln gegründet. Produziert wurden Spiegelglas, Rohglas, Drahtglas sowie Kathedral- , Klar- und Ornamentglas. Der Sitz des Unternehmens befand sich im Ortsteil Schalke. Bereits 429 Schmelztiegel waren am 31. Dezember 1874 produziert worden und am 22. September 1874 wurde das erste dünne Rohglas gegossen. Die Anlage wurde Anfang 1875 auch zum Gießen von dickem Rohglas bzw. Spiegelglas genutzt und zudem wurde eine Schleif- und Polieranlage in Betrieb genommen.

Die vereinigte Glaswerke GmbH (Aachen) war seit 1977 Mehrheitsaktionär. Von der Compagnie de Saint-Gobain (Paris) wurde im gleichen Jahr mitgeteilt, dass man seinerseits eine Mehrheit an den Glaswerken Aachen besäße und somit eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen halte. Daher wurde 1977 mit der vereinigte Glaswerke GmbH ein Beherrschungsvertrag geschlossen. 1983 kam es zur Einstellung des Gussglas-Produktion und es blieben bei der AG die Perlenproduktion und die Verwaltung der Grundstücke.

Rund ein Drittel der leerstehenden Werkshallen konnte bis Ende 1984 vermietet werden. Die Doblinger Unternehmensgruppe übernahm 1987 den Aktienmantel und 1987 kam es zum Abriss der Gebäude der Glas- und Spiegelmanufaktur in Schalke.

Bei den Aktien handelt es sich heute um eine der optisch schönsten aus den 1940-er Jahren. Eine filigrane detailreiche Bordüre und ein exzellenter Farbkontrast ergeben eine tolle und dekorative Ausstrahlung. Es sind heute keine Wertpapiere des Unternehmens aus DM-Zeiten bekannt.

Aktien heute aus der Glas- und Spiegelmanufaktur: Saint-Gobain

Oben ist der Name bereits aufgetaucht: Compagnie de Saint-Gobain. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen börsennotierten französischen Industriekonzern. Gegründet wurde das Unternehmen 1965 und damit zählt es zu den ältesten der Welt und ist in 65 Ländern vertreten. Bei etlichen Produkten zählt der Hersteller als marktführend.

Bei der Muttergesellschaft handelt es sich um eine börsennotierte Aktiengesellschaft, deren Stammkapital aus mehr als 561 Mio. Aktien besteht. Von der Investmentgesellschaft Wendel Investment werden 11,7 % des Kapitals gehalten. Unter dem Dach der Muttergesellschaft befinden sich rund 1200 Einzelgesellschaften. Saint-Gobain ist eine Matrixorganisation und daher ist sie unterhalb der Generaldirektion in Generaldelegationen und Hauptsparten unterteilt. Die deutsche Niederlassung ist Saint-Gerbain Oberland AG, deren Aktien an der Frankfurter Börse gelistet sind.

Im März legte die Verallia Deutschland AG (börsennotiertes Tochterunternehmen der Compagnie de Saint-Gobain/Marke von Saint-Gobain Oberland) den Jahresabschluss für 2016 vor und aus diesem geht hervor, dass sich Umsatz und Ergebnis planmäßig entwickelt haben. Nach Abzug des Anteils der Minderheitsaktionäre lag das Konzernergebnis bei 29,9 Mio. Euro. Die Verallia AG erwartet für das laufende Jahr 2017 einen gleichbleibenden stabilen deutschen Markt mit einer anhaltenden Wettbewerbssituation. Die Aktie des Unternehmen zeigte Anfang Mai 2017 ein All-Time-High und wurde mit 550 Euro (Stand 03.05.2017) gehandelt. Damit wurde der Kurs von 06.10.2016 eingestellt.

Wer die Aktien von Saint-Gobain Oberland kaufen moechte der wird nicht mehr wie früher in Papierform, sondern diese werden bei den Broker wie CMC Markets in einem Depot gehalten uns sind nicht mehr physisch. Allerdings ist es möglich, sich eine Sammelurkunde ausstellen zu lassen. Doch von den meisten Firmen wird das Recht auf eine Einzelverbriefung ausgeschlossen – während bis 1994 noch ein rechtlicher Anspruch auf Aktien in Papierform bestand.

Aber das bedeutet nicht, dass es gar keine effektiven Stücke mehr gibt. Denn es gibt tatsächlich noch gültige Urkunden, die bei Clearstream, dem zentralen Abwickler von Wertpapiergeschäften lagern. Dort kann ein Aktionär durchaus noch effektive Stücke erwerben.